Bindungsstile verstehen: Wenn einer Nähe sucht und der andere sich zurückzieht | Herzkuemmerei Podcast
Bindungsstile verstehen: Wenn einer Nähe sucht und der andere sich zurückzieht In dieser Folge spreche ich darüber, wie **Bindungsstile **und **Beziehungsmuster **unsere Liebesbeziehungen prägen. Warum sucht in manchen Beziehungen einer immer mehr Nähe, während der andere sich zurückzieht – und warum genau diese Dynamik viele Partnerschaften belastet.
Julia und Volker sind seit einigen Monaten ein Paar. In der ersten Zeit fühlt sich ihre Beziehung leicht und selbstverständlich an. Doch nach der anfänglichen Verliebtheitsphase verändert sich etwas. Volker zieht sich immer häufiger zurück, sagt Treffen kurzfristig ab und wirkt emotional distanziert. Julia reagiert mit wachsender Unsicherheit und Angst, ihn zu verlieren. Beide verstehen nicht, was da gerade passiert – schließlich mögen sie sich sehr und wollen die Beziehung eigentlich.
Solche Dynamiken sind in Beziehungen keineswegs selten. Viele Paare erleben irgendwann ein Spannungsfeld zwischen Nähe und Distanz: Während der eine Partner mehr Verbindung sucht, beginnt der andere sich zurückzuziehen. Für beide Seiten fühlt sich dieses Wechselspiel verwirrend und oft auch schmerzhaft an.
Ein wichtiger Schlüssel zum Verständnis solcher Muster liegt in unseren Bindungsstilen. Sie entstehen sehr früh in unserer Kindheit und prägen, wie wir Nähe, Vertrauen und emotionale Sicherheit erleben. Der britische Psychoanalytiker **John Bowlby *gilt als Pionier der Bindungsforschung. Seine Theorie beschreibt, wie frühe Beziehungserfahrungen langfristig beeinflussen, wie wir später Liebesbeziehungen gestalten. Grundsätzlich unterscheidet die Bindungsforschung zwischen sicheren und unsicheren Bindungsstilen. Menschen mit einem* sicheren Bindungsstil **können Nähe zulassen und gleichzeitig ihre Eigenständigkeit bewahren.
** Unsichere Bindungsstile** hingegen sind häufig von Ambivalenz geprägt: Manche Menschen suchen intensiv nach Nähe und Bestätigung, andere reagieren mit Rückzug, sobald Beziehungen verbindlicher werden. Gerade wenn unterschiedliche Bindungsstile aufeinandertreffen, entstehen häufig Beziehungsmuster, die beide Partner belasten. Während der eine immer mehr Nähe sucht, fühlt sich der andere zunehmend eingeengt und geht auf Distanz.
Die gute Nachricht ist:** Bindungsstile** sind kein unveränderliches Schicksal. Beziehungserfahrungen im Erwachsenenalter können dazu beitragen, alte Beziehungsmuster zu verändern und neue Erfahrungen von Sicherheit und Nähe zu ermöglichen.
Wenn dich das Thema interessiert, hör auch gern in meine weiteren Podcastfolgen zu Bindungsangst und Verlustangst hinein.
Hinweis: Diese Folge ist bereits vor einigen Jahren erschienen. Da das Thema Bindungsstil und Beziehungsmuster in Beziehungen für viele Menschen zentral ist, habe ich sie neu eingeordnet und erneut veröffentlicht.
Ich bin Heike Klopsch von der Herzkümmerei. In meiner Coachingpraxis begleite ich Menschen nach Trennungen und bei Liebeskummer – und arbeite mit ihnen daran, ihre Beziehungsmuster zu verstehen und neue Wege in Beziehungen zu entwickeln. Mehr über meine Arbeit findest du auf
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