00:00:00: Hallo und herzlich willkommen zu einer neuen Folge aus der Herzkümmerei.
00:00:06: Ich bin Heike Klopsch, Beziehungs- und Trennungskoach Und hier spreche ich über Trennung, Liebeskummer und vor allem sehr gerne über den Neuanfang.
00:00:16: Wir alle wachsen an eine Familie auf die ihre ganz eigene Geschichte hat und wir übernehmen Werte und Haltungen aber auch Ängste Erwartungen und unaufgelöste Lebensthemen Und vieles davon wird nie ausgesprochen.
00:00:33: Vieles übernehmen wir, ohne dass es uns je bewusst wird.
00:00:38: Kinder sind kleine Seismografen und die spüren sehr früh was ihren Eltern wichtig ist Was sie sich wünschen Worunter sie leiden und was in ihrer Familie ganz selbstverständlich is Und daraus können innere Aufträge entstehen.
00:00:52: Das sind sogenannte stille Aufträge.
00:00:55: Vielleicht kennst du solche Sätze.
00:00:57: Ich muss stark sein Ich muss erfolgreich sein.
00:01:01: Ich darf niemandem zur Last fallen, ich bin dafür verantwortlich dass es anderen gut geht.
00:01:08: und genau da wird es jetzt spannend denn als Erwachsene erleben wir solche Aufträge häufig gar nicht mehr etwas Fremdes.
00:01:16: Sie gehören längst zu uns, zu unserem Selbstbild, zu unserer Identität Und wir halten sie sogar für unsere eigenen Wünsche und Überzeugung.
00:01:24: das ist ziemlich fatal.
00:01:27: Dabei wirkten uns manchmal eine Familiengeschichte weiter, die lange vor unserer eigenen begonnen hat.
00:01:32: Und genau darüber möchte ich heute mit dir besprechen, denn es geht um stille Aufträge!
00:01:37: Um das was wir unbewusst aus unseren Familien mitnehmen und ja wie dass unser Leben und ganz besonders auch unsere Beziehungen prägen kann.
00:01:49: Ich möchte dir heute von Julie erzählen.
00:01:51: Die hat mich ganz schön beschäftigt.
00:01:54: Julie kam eines Tages in meine Praxis Und sie war ja eine erschöpfte Frau.
00:02:00: und sie war nicht nur erschöpf, sie war auch wahnsinnig wütend.
00:02:04: Sie hatte nämlich das Gefühl in ihrer Beziehung für alles verantwortlich zu sein.
00:02:10: Juli und ihr Mann David waren zu dem Zeitpunkt schon sehr lange ein Paar und im Laufe der Jahre hatte sich zwischen ihnen eine Dynamik entwickelt unter der eigentlich beide Litten.
00:02:22: Julius' Part war folgender – sie organisierte den Alltag Sie behielt die Termine im Blick, sie plante und die kümmerte sich gefühlt um alles.
00:02:32: Und sie hatte auch das Gefühl ständig vorausdenken zu müssen und David dagegen übernahm immer weniger Verantwortung.
00:02:40: Darüber hat sich Uli natürlich maßlos geärgert!
00:02:43: Sie wünschte sich dass David von sich aus mehr übernehmen würde und dass sie sich auch mal irgendwie auf ihn verlassen könnte.
00:02:51: Auf der anderen Seite war es aber so wenn er etwas machte tatsächlich in die Initiative ging, dann fehl es ja unheimlich schwer sich zurückzuhalten.
00:03:01: Die wurde dann unruhigte.
00:03:02: Juli Siegriff ein übernahm die Aufgaben am Ende doch wieder selbst und das war natürlich einen völlig unheilvoller Kreislauf.
00:03:11: Je mehr Juli übernahmt, desto mehr Zug da wird sich zurück und je mehr David sich zurückzugt desto stärker wurde Julius Gefühl dass ohne sie in dieser Familie sowieso nichts funktioniert.
00:03:23: mit dieser Problematik kam sie.
00:03:27: Und das haben wir uns dann im Coaching mal genauer angeschaut und es ging eine Weile hin und her, ich hatte auch ehrlich gesagt nicht so richtig die Idee was jetzt das Thema sein könnte, was dahinter liegt wurde aber eigentlich ein bisschen beiläufig, deutlich dass Julis Verhalten nicht erst in ihrer Beziehung zu David entstanden war.
00:03:53: Die Juli hatte schon als Kind erlebt das ihre Mutter diejenige war, die in der Familie vieles oder vielleicht sogar alles zusammenhielt.
00:04:02: Diese Mutter war eine Organisatorin, die packte an und dachte voraus über Namenverantwortung.
00:04:08: Und Juli, die natürlich so geprägt war.
00:04:12: Die hat dieses Frauenbild lange als ganz selbstverständlich angenommen, sie hat das adaptiert ohne es zu hinterfragen.
00:04:20: und es gab tatsächlich noch eine Geschichte hinter dieser Mutter-Tochtergeschichte und zwar Julius Großmutter.
00:04:30: auch Julius Großmuttern war eine totale Macherin gewesen.
00:04:34: diese Frau musste am Ende des Zweiten Weltkriegs flüchten.
00:04:39: Aus Ostpreußen, das war ja furchtbar damals und sie hatte die Kinder dabei und sie hat diese ganze Flucht organisiert.
00:04:49: Und ihr Mann blieb am Ende auch verschollen und diese Großmutter war auf sich gestellt und die hat es wirklich geschafft.
00:04:57: Diese Familie durch diese schweren Zeiten durchzubringen und ihre Stärke, und ihre Fähigkeit Verantwortung zu übernehmen.
00:05:06: Die war natürlich in dieser Flucht-Situation in der Nachkriegszeit absolut überlebenswichtig für diese Familie gewesen.
00:05:14: Und dieses Frauenbild, dieses Modell, das setzte sich in der nächsten Generation fort.
00:05:21: Julius Mutter hat in einer ganz ähnlichen Tradition und Prägung gelebt wie schon gesagt übernommen und zwar ohne drüber zu reflektieren.
00:05:34: Der hat natürlich niemand gesagt, du musst für alles zuständig sein aber die Juli ist eben in einer Generation von Frauen groß geworden Die anpackten organisierten und immer dafür gesorgt haben dass das Leben weiter ging.
00:05:51: Und was Kinder erleben und das ist jetzt wichtig?
00:05:54: Was Kinder erlebend wird zur Normalität und was sich in der Familie wiederholt Das erscheint erst mal selbstverständlich und wird oft überhaupt nicht hinterfragt.
00:06:07: D.h.,
00:06:07: die kleine Julie hat sehr früh gelernt, vernünftig zu sein mit zur Helfen Verantwortung zu übernehmen.
00:06:13: Und was für sie lange wie eine selbstverständliche Eigenschaft ihrer Persönlichkeit gewirkt hatte – also ihre Verlässlichkeit, ihr Organisationstalent, ihr ausgeprägtes Verantwortungsgefühl?
00:06:27: Das bekam im Coaching auf einmal eine ganz andere Bedeutung.
00:06:32: Hinter all dem wurde ein Satz sichtbar, der nie ausdrücklich ausgesprochen worden war und der Juli dennoch ihr Leben lang begleitet hatte.
00:06:41: und dieser Satz lautete Ich bin dafür verantwortlich dass alles funktioniert.
00:06:47: Und da wurde es auf einmal deutlich.
00:06:49: Da war er Julius stiller Auftrag ich bin verantwortliche das Alles funktioniert.
00:06:58: Und dann wurde es leichter, dann haben wir es beide verstanden was das Thema bei der Juli eigentlich war und von da an konnten wir an dieser Geschichte auch arbeiten.
00:07:10: und dabei ging es überhaupt nicht darum diese Stärke der Frauen abzuwerten sondern ganz im Gegenteil, Juli tog ja etwas ganz Wertvolles weiter dass die Frauen ihrer Familie über Generation ganz positiv ausgezeichnet hatte.
00:07:28: Nur brauchte sie diese Starke heute nicht mehr um jeden Preis und in jeder Situation?
00:07:35: Es war also eine Strategie, die in ihrem Leben vielleicht wurde sie nicht mehr gebraucht, soweit würde ich nicht gehen aber die in der Ausprägung nicht mehr Gebraucht wurden.
00:07:47: Das war eine ganz starke innere Loyalität, die sie in sich trug.
00:07:53: Das war dieser Satz, meine Großmutter war sehr tüchtig.
00:07:56: Meine Mutter war auch sehr tüchtig!
00:07:58: Dann muss ich es auch
00:07:59: sein!".
00:08:01: So sind die Frauen in meiner Familie halt und erst später verstanden die Juli dann im Coaching dass sie Verantwortung abgeben darf – und zwar ohne und jetzt wird's wichtig damit die Stärke ihrer Mutter und ihrer Großmütter infrage zu stellen.
00:08:18: Ja, du merkst schon unbewusste oder stille Aufträge haben ihren Ursprung häufig in familiären Traditionen und Werten.
00:08:27: Die werden an Familienmitglieder weitergegeben ohne dass sie sich dessen bewusst sind Und dadurch übernehmen wir aber Verhaltensmuster und Denkweisen die nicht unserer Originär, unserer eigenen Persönlichkeit entsprechend.
00:08:44: Sondern auch die Wünsche und Ängste- und Lebenserfahrung früherer Generationen widerspielen.
00:08:51: Das sind sogenannte unbewusste Familiengesetze Und diese inneren oft unausgesprochenen Verpflichtungen, die wir ganz unbewusst in uns tragen.
00:09:04: Es ist uns nicht bewusst.
00:09:06: Die besitzen eine wirklich große und erstaunliche Kraft.
00:09:12: Die prägen nochmal unbewusst unser Denken, Fühlen und Handeln ohne dass wir ihren Ursprung im ersten Moment kennen.
00:09:21: Und gerade weil sie nicht so ausdrücklich formuliert werden oder nur sehr selten ausdrücklich formuliert wird erleben wir sie gar nicht als etwas Fremdes.
00:09:32: die werden mit der Zeit Teil unseres Selbstbildes.
00:09:35: die verschmelzen geradezu mit uns Und wir halten das für unsere Persönlichkeit, obwohl wir häufig eine Geschichte folgen die ganz lange vor unserer eigenen begonnen hat.
00:09:50: Also stille Aufträge sind nur sehr selten laut ausgesprochen Erwartungen, die Eltern ihren Kindern mit auf den Weg geben.
00:09:59: Die entstehen in so ganz feinen Zwischentönen des Familienlebens.
00:10:04: Aber Kinder spüren das sehr früh.
00:10:06: Ich habe eingangs gesagt, sie sind kleine Seismografen.
00:10:09: Kinder sind kleine Saismografen.
00:10:12: Die Antennen die sind sehr ... ja, die sind fein und die sind ausgefahren.
00:10:18: Und die wissen früh was ihren Eltern wichtig ist, worüber die sich freuen Was die Eltern vielleicht belastet oder wovor die Eltern auch Angst haben.
00:10:28: Und natürlich wünschen sich Eltern für ihre Kinder in der Regel Gesundheit, Glück, Erfolg.
00:10:35: Doch diese Wünsche entwickeln im Erleben der Kinder manchmal eine ganz eigene Dynamik.
00:10:41: Kinder machen auf ihre Weise ein Reim daraus was von ihnen erwartet wird und aus elterlichen Wünschen können so innere Aufträge entstehen die sie erfüllen möchten obwohl wie gesagt nicht drüber gesprochen wurde.
00:10:56: Das sind sogenannte innere Landkarten, innere landkarten die in uns entstehen und denen wir folgen.
00:11:04: Das ist das Navigationssystem in uns dass uns vertraut ist.
00:11:10: Es gibt einen Bindungsforscher ein Engländer John Bolby.
00:11:15: der hat einige wichtige psychologischen Grundlagen zu dem Thema geliefert.
00:11:19: ich habe es an anderer Stelle in anderen Kontexten auch schon mal gesagt Kinder sind existenziell darauf angewiesen, eine sichere Bindung zu ihren wichtigsten Bezugspersonen aufzubauen.
00:11:29: Also in der Regel Vater und Mutter.
00:11:33: Und diese Bindung dieses Urvertrauen das vermittelt ganz viel Sicherheit.
00:11:39: Die führt aber auch dazu dass Kinder ihre Eltern zunächst gar nicht infrage stellen.
00:11:45: was die kinder erleben Das empfinden sie als Normalität, das wird nicht reflektiert.
00:11:51: Und was sich in der Familie wiederholt erscheint somit immer als Selbstverständlichkeit.
00:11:58: Ja!
00:11:58: Das ist diese innere Landkarte und an denen orientieren wir uns häufig auch wenn wir längst erwachsen sind so wie die Juli dass eben in ihre Paarbeziehung mit reingeht.
00:12:11: Es gibt einen ungarisch-amerikanischen Familientherapeuten, der heißt ganz kompliziert Ivan Bosson Menji Nadi und er hat diese tiefe Verbundenheit als unsichtbare Loyalität beschrieben.
00:12:26: Ich finde das sehr schön eine unsichtbarer Loyalitet!
00:12:31: Und seine Überlegung gehören bis heute zu den wichtigsten Erklärungsansätzen dafür warum Familien weit mehr weitergeben als Werte oder Gewohnheiten.
00:12:41: Da werden auch Sichtweisen auf das Leben weitergegeben.
00:12:45: Vorstellung davon, was Liebe bedeutet, was Erfolg ausmacht, worauf man hoffen darf und ja, was einem Menschen überhaupt zusteht.
00:12:57: Und jede Familie entwickelt im Laufe der Generation so ein Geflecht aus gegenseitigen Verpflichtungen für Sorge geben nehmen Und diese Beziehung wirken häufig weit über das hinaus, was ausgesprochen wird.
00:13:15: In diesem Beziehungsgeflecht wächst eine tiefe Verbundenheit zwischen den Generationen und genau daraus beziehen diese stillen Aufträge ihre große Kraft.
00:13:27: Kinder möchten ihre Eltern verstehen – sie entlasten, sie stolz machen oder ihnen zumindest kein zusätzlichen Schmerz zu fügen.
00:13:35: Vieles geschieht wie gesagt unbewusst.
00:13:38: Sie übernehmen Haltung ohne sie zu hinterfragen, sie entwickeln Überzeugungen ohne sich jemals bewusst für sie entschieden zu haben.
00:13:47: Die Juli hat sich nicht bewusst entschieden.
00:13:50: die hat etwas fortgesetzt eine stille Loyalität die da wirksam geworden ist.
00:13:58: ja das ist gerade.
00:14:00: in Partnerschaften spielen diese stillen Aufträge eine sehr große Rolle und Julis Lebensgesetz.
00:14:10: Ich bin dafür verantwortlich, dass alles funktioniert ist ein wirklich schönes Beispiel.
00:14:15: ich finde es relativ einfach im Nachhinein als wir dem Ganzen auf die Schliche gekommen sind.
00:14:20: das geht manchmal noch sehr viel komplexer aber Es ist ein gutes Beispiel für so einen stillen Auftrag und Als sie das Verstanden hatte.
00:14:28: da konnte sie Die Dynamik Zwischen sich und ihrem mandavid mit anderen Augen sehen.
00:14:35: und zum ersten Mal hat sie sich auch selbst hinterfragt und sie hat verstanden, warum David so wenig Verantwortung über einen Namen.
00:14:46: Und sie hat aber auch erkannt, warum es ihr selbst zu schwer viel Verantwortung tatsächlich abzugeben.
00:14:54: Das bedeutet natürlich nicht dass David keine Verantwortung für die gemeinsame Beziehung trug, aber Juli konnte beginnen ihren eigenen Anteil an dem Kreislauf zu verstehen der sich zwischen ihnen entwickelt hatte.
00:15:07: Auf einmal entstand auch Raum für einen anderen Gedanken.
00:15:10: Und da war dann dieser Gedanke, vielleicht ist dieses starke Verantwortungsgefühl nicht nur Teil meiner Persönlichkeit – es ist eine starke innere Überzeugung die ganz offensichtlich weitergegeben wurde von den Frauen in ihrer Familie.
00:15:26: und diese Strategie, die war ja absolut sinnvoll und bei ihrer Großmutterjahr.
00:15:32: tatsächlich hat's jetzt ein Überleben der Familie beigetragen.
00:15:35: das hat denen allen Sicherheit gegeben.
00:15:37: aber Heute stand dieser stille Auftrag, der Stand der Juli im Weg.
00:15:43: Und er ist zu einem Stolperstand in ihrer Ehe geworden.
00:15:46: Das hat sie verstanden und da konnte sie dann auf einmal auch dran arbeiten.
00:15:51: Und das hat natürlich ihre Familiengeschichte nicht verändert.
00:15:54: diese Erkenntnis aber Sie hat Juli Spielraum gegeben.
00:15:59: Sie hatte neue Möglichkeiten.
00:16:00: Sie konnte beginnen Verantwortung dort zu lassen wo sie hingehörte aushalten, dass nicht alles nach ihren Vorstellungen geschah.
00:16:09: Sie konnte dann in dem Moment auch mit David gut ins Gespräch gehen und ja sie konnten ihre Themen auch ganz gut auflösen.
00:16:19: Ich möchte dir noch ein anderes Beispiel nennen.
00:16:21: das hat jetzt nichts mit Beziehung zu tun aber es finde ich vervollständig den Gedanken auf eine sehr schöne Weise denn des Spektrum dieser stillen Aufträge ist ziemlich groß.
00:16:33: die sind manchmal Ja, sind sie leicht zu erkennen?
00:16:38: Andere taren sich aber so geschickt dass sie ein Leben lang unbemerkt bleiben und oder zumindest erst sehr spät zum Ausdruck kommen.
00:16:47: Und das gilt ganz besonders für leistungsbezogene Aufträge.
00:16:51: Da habe ich auch nochmal einen Case mitgebracht den ich spannend finde.
00:16:55: Ich möchte dir von Jan erzählen extrem beruflich erfolgreich, der hat ein Unternehmen geleitet und galt als ausgesprochen verlässlich.
00:17:08: Und das war viele Jahre.
00:17:10: Jahrzehnte muss man sogar sagen, war das alles in Ordnung für ihn.
00:17:14: doch je älter er wurde desto häufiger hatte er das Gefühl in einem fremden Leben festzustecken wirklich fest zu stecken.
00:17:24: Das war tatsächlich Für mich ungewöhnliches Coaching, weil es gar nicht so sehr um Beziehung ging.
00:17:30: Aber wir kamen dann irgendwann auf diesen Punkt und er hat festgestellt, dass ihn ein Satz seines Vaters ein Leben lang begleitet hatte.
00:17:41: Und er lautete so sinngemäß aus dir muss einmal etwas werden.
00:17:45: ich konnte damals nicht studieren.
00:17:49: Jans Vater war ein Nachkriegskind früh Verantwortung übernehmen.
00:17:56: Der war sehr intelligent, der Vater, der hätte sehr gerne studiert und das war einfach nicht möglich.
00:18:00: es gab kein Geld und es mussten damals schnelle Lösungen her und er wollte aber dass sein Sohn es einmal besser hat.
00:18:08: aus dir muss einmal werden.
00:18:10: ich konnte damals nicht studieren und der Jan hat diese Worte nie als Druck erlebt.
00:18:17: die waren wahrscheinlich auch gar nicht so gemeint.
00:18:19: im Gegenteil Erst diese Worte waren Ausdruck der Hoffnung seines Vaters, dass sein Sohn es vielleicht mal ein bisschen leichter haben möge als er.
00:18:30: und genau deshalb hat er Jan das ja auch nie in Frage gestellt.
00:18:34: Er sollte es einmal besser haben Und ganz unbemerkt war aus dieser tiefen Verbundenheit Ein stiller Auftrag entstanden.
00:18:45: und der Erfolg den der Jan ja zweifellos hatte Der war längst mehr als ein persönliches Ziel.
00:18:52: Er war zu einem festen Bestandteil seines Lebens geworden und jetzt wird es spannend, zugleich zu einer Möglichkeit seinem Vater verbunden zu bleiben.
00:19:02: Da haben wir es wieder Verbindung, Verbundenheit Liebe zu unseren wichtigsten Menschen in unserem Leben.
00:19:11: Es gibt einen sehr schönen Satz von dem Psychoanalytiker Zege Jung.
00:19:17: Der hat diese Form der familiären Weitergabe mit den Worten beschrieben.
00:19:24: Nichts hat einen stärkeren psychologischen Einfluss auf das Leben der Kinder als das ungelebte Leben der Eltern, da wird etwas weiter gegeben was in der Eltern oder manchmal auch an der Großeltern Generation nicht gelebt werden konnte und es soll später erfüllt werden vielleicht in unserer Generation.
00:19:47: Jans Vater, der hat das sicherlich gut gemeint.
00:19:49: Der Sohn sollte es einmal besser haben.
00:19:52: Doch aus diesem Wunsch hat sich für Jan eine Verpflichtung entwickelt Ein stiller Auftrag Und er hat sich über die Jahre in einer Rolle reingearbeitet Die überhaupt nicht zu seinen eigenen Bedürfnissen passte.
00:20:09: und Er hat ein Leben gelebt.
00:20:11: Das hatte auch so gesagt Es ist nicht mein Leben Da isst die Stimmigkeit überhaupt nicht da.
00:20:16: Ich mache hier irgendwas, was nichts mit mir zu tun hat oder immer weniger mit mir zutun
00:20:22: hat.".
00:20:23: Und als ihn dieser Zusammenhang bewusst wurde, da konnte er den Erwartungen seines Vaters etwas entgegensetzen – seine Wünsche auf der einen Seite, seine Sehnsüchte auch und auf der anderen Seite die Erwartung seines vaters.
00:20:40: Dann begann er – das ist ihm schwer gefallen!
00:20:44: Grenzen zu setzen, liebevoll.
00:20:46: Es war ganz wichtig für ihn, er war seinem Vater sehr verbunden und Entscheidungen zu treffen die sich erstmals wirklich nach seinem eigenen Leben anfügen.
00:20:56: der Mann war weit in den Fünfzigern.
00:20:58: es hat echt gedauert Und solche stillen Aufträge die finden sich in den unterschiedlichen Lebensbereichen also in Beziehungen wie bei der Juli Jobentscheidungen wie jetzt bei dem Jan und die verbinden aber, dass die Generation oft viel stärker als den Beteiligten bewusst ist.
00:21:21: Das ist so ein Bandass und so verbindet das Held einerseits Aber es bindet eben auch und manchmal schnürt es uns auch zu.
00:21:31: Es gibt einen schönen Satz von einem französischen Dichter Philosoph und essayist der heißt Paul Valérie Und er hat ein Satz formuliert, der für mich sehr gut beschreibt wie viel Geschichte wir uns in uns tragen.
00:21:48: Dieser Satz lautet Ich bin in einer Welt die in mir ist.
00:21:53: Ich finde das sehr schön!
00:21:58: Wir tragen eine ganze Welt in uns und die ist gewoben aus den Geschichten unserer Ahnen.
00:22:04: Das ist so ein Lebensteppich.
00:22:08: Da sind Erfahrungen und Werte eingewoben, einerseits.
00:22:12: Aber es sind auch Ängste eingewogen, schmerzhafte Erlebnisse und unaufgelöste Themen.
00:22:17: Es gibt viele Menschen, die gehen sehr spät in Therapie weil sie spüren Sie haben so Ängsten?
00:22:23: Und das ist ein ganz eigenes Thema.
00:22:25: aber es ist oft auch in den Nachkriegsgenerationen.
00:22:27: da sind Ängster wo kommen die denn eigentlich her?
00:22:30: warum trage ich die in mir?
00:22:32: Das ist ein sehr sehr faszinierendes Thema.
00:22:36: sich aus solchen Verstrickungen zu lösen, das ist manchmal ein langer und eben auch manchmal ein schmerzhafter Prozess.
00:22:44: Es sind eben diese Loyalitäten und diese Aufträge die verschwinden nicht einfach dadurch dass wir sie bekämpfen uns sagen geh mal weg.
00:22:53: es passt nicht mehr.
00:22:55: Und es ist so.
00:22:57: des einen entscheidender Schritt kann darin bestehen Verantwortung bewusst dahin zurückzugeben wo sie hingehört Und das ist, und das ist jetzt wichtig.
00:23:08: Nicht aus Ablehnung der eigene Geschichte oder den Ahnen gegenüber sondern es ist Respekt vor dem eigenen Leben.
00:23:20: also diese Loyalität in Frage zu stellen, gesund zu sagen wie viel davon ist richtig.
00:23:28: Wie viel brauche ich?
00:23:29: Wie viel ist einfach übernommen worden und tut mir überhaupt nicht gut.
00:23:34: Wieviel davon darf ich abgeben ohne diese Verbindung auch zu zerstören?
00:23:41: Und das finde ich ist ein ganz großer Schritt in Richtung Erwachsenwerden.
00:23:46: Das ist nochmal ein richtiger Reifeprozess den wir auch in späten Jahren noch machen können.
00:23:52: Wer bin ich?
00:23:53: Wer möchte ich
00:23:55: sein?".
00:23:55: Das ist die Frage nach der eigenen Identität.
00:23:58: Es ist eine sehr, sehr große Frage aber zu erkennen dass familiäre Loyalität nicht an Wiederholung gebunden ist das kann extrem befreiend sein und das habe ich sowohl bei Juli als auch bei Jan sehr intensiv erlebt.
00:24:14: und vielleicht noch mal wichtig so als Abschluss unsere Vorfahren zu würdigen.
00:24:23: Das ist oft sehr wichtig.
00:24:25: Das bedeutet nicht, ihre Geschichten fortsetzen zu müssen – unbefragt und kritisch!
00:24:33: Loyalität erfüllt sich nicht in der Wiederholung sondern darin das eigene Leben verantwortlich zu gestalten.
00:24:42: Ein reife Prozess eine Frage der Identitätsbildung.
00:24:49: Ja, das war jetzt heute mal glaube ich etwas schwere Kost.
00:24:53: Aber ich finde es ein wahnsinnig faszinierendes Thema.
00:24:58: tatsächlich und ich arbeite da sehr intensiv dran und steige für mich immer tiefer rein weil es so viele Geschichten hinter den Geschichten dann auch aufmacht.
00:25:09: und vielleicht nimmst du aus dieser Folge eine Frage mit die lauten könnte welche stillen Aufträge begleiten?
00:25:16: Mich eigentlich!
00:25:18: welche Sätze, welche Erwartungen, welche Vorstellungen über das Leben, über mein Leben habe ich so sehr verinnerlicht dass ich sie längst für selbstverständlich halte.
00:25:28: Welche passen heute nicht mehr zu mir und welche ja, welche möchte ich aber vielleicht auch behalten?
00:25:34: Auch das ist ja eine Frage die man stellen darf.
00:25:37: Und nochmal es geht dabei nicht darum die eigene Familiengeschichte abzulehnen oder sich von ihr abzugrenzen Denn vieles von dem Was wir mitbekommen haben ist sehr, sehr wertvoll.
00:25:48: Julis Stärke ist wertvoll und auch der Jan hat viel Wertvolles mitbekommen.
00:25:56: Das hat uns geprägt, uns stark gemacht und es gehört zu uns.
00:26:00: Aber wie gesagt Wir dürfen unterscheiden.
00:26:02: was möchte ich weiter tragen?
00:26:04: Und was darf bei mir jetzt mal enden?
00:26:08: Wo endet die alte Geschichte und wo beginnt meine eigene?
00:26:12: das eine wahnsinnig spannende Frage.
00:26:16: Wenn dir diese Folge gefallen hat, dann freue ich mich natürlich wenn du meinen Podcast abonnierst oder ihn vielleicht auch jemanden weiter empfehlt für den dieses Thema vielleicht gerade wichtig sein könnte.
00:26:27: Ja und wenn du merkst dass du deinen eigenen Beziehungsmustern oder deiner Familiengeschichte genauer auf die Spur kommen möchtest dann findest du auf meiner Website weitere Informationen über meine Arbeit und mein Coaching unter der www Und natürlich findest du auch alles in den Shownoten.
00:26:47: Ja, danke dass Du heute dabei warst!
00:26:49: Danke das Du mir zugehört hast und vielleicht hören wir uns schon bald wieder in der Herzkümmerei.
00:26:56: Ich wünsche Dir wie immer an dieser Stelle Alles Gute Deine herzkümmerren Heike.